Ein normaler Tag einer Selbständigen

Möchten Sie sich selbständig machen?

Ihr Job ist nicht so herausfordernd? Sie stehen jeden Tag im Stau? Ihr Chef oder Chefin wünschen sich fehlerfreie Mitarbeiter und alles muss sofort passieren?

... es gibt viele Gründe, warum man kündigen möchte. Vielleicht hilft es Ihnen, wenn Sie überlegen sich selbständig zu machen, einen Einblick in meinen Tag zu bekommen. 

Bevor ich über meinen Tag plaudere noch etwas über mich: Ich bin seit 12 Jahren selbständig und designe und vertreibe Strickjacken und Strickpullover für Bräute weltweit.

 

Beemohr strickt für Hochzeiten: Knit Couture

Das bin übrigens nicht ich, das ist mein Model Zoe.

Start in meinen Tag

Morgens Durch meine Selbständigkeit habe ich eine sehr freie Zeitgestaltung. Ich habe einige Aufgaben, die ich tuen muss und ich kann sie fast zu jeder Zeit erledigen. Ich stehe zwischen 6 und 7.30 Uhr auf. Mein Atelier befindet sich in meiner gemütlichen Dachgeschoss - Wohnung, darum ist mein Arbeitsweg kurz :-) Ich spare viel Zeit und Geld durch nicht gefahrene Arbeitswege. Im Übrigen versuche ich mein Auto so oft wie möglich stehen zu lassen und mit dem Fahrrad zu fahren.

Frühstück zu Hause bei Beemohr

Los geht's: ich starte meinen Saug-Robotter, mache etwas Ordnung - Ich brauche Ordnung um mich rum, damit klare und kreative Gedanken fließen können - koche Kaffee und suche mir einen Platz meiner Wahl. Das kann der Küchen- und Arbeitstisch, die Couch oder sogar das Bett sein. Manchmal auch das Zimmer meiner Tochter, wenn es halbwegs aufgeräumt ist ☺

 

Ich lese meine Ziele durch - ich formuliere kurzfristige Ziele im monatlichen Rhythmus - dafür habe ich ein kleines Notizbuch. Dort stehen momentan Ziele drin wie:

 

  • 2. Shooting organisieren
  • Amerikanischen Shop eröffnen
  • täglich Sport
  • Summe X verdienen

    In der Regel erreiche ich meine Ziele und dann definiere ich neue. Dann schreibe ich eine ToDo-Liste für Business und Privat - Aufgaben.

    Eine Anmerkung zu meinen Zielen. Ich bin nicht Super Woman und gehöre auch nicht zu denen, die (angeblich) alles perfekt schaffen: Geschäft, Familie, Body.

    In der Regel starte ich Sachen, ohne lange zu überlegen - ich bin nicht sehr geduldig - und es muss nicht perfekt sein. Dabei mache ich Fehler UND ich komme voran. Meine amerikanische Seite habe ich mit 10 Produkten online geschaltet; das wichtige war, dass der Rahmen da war. Um von Google indexiert zu werden und dann Produkte in den Feed zu bekommen dauert ohnehin und währenddessen pumpe ich meinen Shop mit Content und Produkten voll.

    Meist fange ich mit einer schönen Aufgabe an, meine mails öffne ich erst später, da sie eher ablenken. Gegen 10 Uhr kümmere ich mich darum und um Anfragen, die über etsy reinkommen.

    Etsy ist das international Equivalent zu Dawanda, was mittlerweile von Etsy aufgekauft wurde. Ich habe schon immer Etsy bevorzugt, darüber ging mehr Umsatz und die Technik war fast perfekt. Dort bin ich seit 2011 als Händler, die Reichweite ist ziemlich gut.

    Und hier kommt eine der Hürden der Selbständigkeit: die staatlich auferlegten Kosten. Durch die hohe Einkommensteuer + die exorbitante Krankenversicherung sind auch meine Produktpreise in entsprechender Höhe. Auf Etsy kommen mehr und mehr Händler/innen aus Ländern wie Polen, Estland, Ukraine und anderen Ländern dazu und dort liegt die Einkommensteuer teilweise bei 10%. Die Verkaufspreise entsprechen kaum meinen Produktionskosten :-(

    Vormittags

    Ich versuche bereits vormittags alle Bestellungen zu verpacken und Sendungsmitteilungen zu verschicken. Die Post kommt täglich zwischen 14 und 15 Uhr und holt meine Paket ab. So bin ich nach dem Mittagessen frei, wieder schöne Dinge zu machen. Schön ist für mich:

    • meine Shops zu pflegen: neue Produkte, Blog schreiben
    • Modelle zu stricken
    • Und natürlich Wolle einkaufen
    • Finanzwissen ausbauen

    ... nicht so schön

    • Rücksendungen bekommen
    • Umsatzsteuer - Erklärung
    • Rechnungen einscannen ...
    Beemohr Arbeiten und Stricken für Bräute
    Mein Arbeitsplatz

     

    Mittags Ich stelle mir regelmäßig Challenges. Im Moment heißt der Challenge alle 2 Tage Sport - ich fange wieder langsam an, da ich verletzt war. Das versuche ich gern vor dem Mittag einzuschieben, auch wenn dann das Mittagessen auf 14 oder 15 Uhr verschoben wird.

    Im Moment mache ich eine Kombination aus Seilspringen und Kraft, dazu fahre ich gern auf den Sportplatz hier um die Ecke. Der Kunststoffrasen ist ideal zum Seilspringen.

    Sport auf unserem Sportplatz

    Wenn ich nur für mich koche, dann ist mein Motto schnell und halbwegs gesund. Ich ernähre mich fast vegan, also esse ich viel Obst und Gemüse. Allerdings mag ich auch gern Süßigkeiten, also hier bin ich nicht super streng :-)

    Nachmittags Meist ist es dann bereits 16 Uhr. Je nachdem, was meine Kids geplant haben, bin ich für Sie da. Allerdings machen Sie oft ihr eigenes Ding und ich bin "nur" noch für eine schöne warme Wohnung und Essensbeschaffung zuständig. Um diese Zeit widme ich mich meinen Shops oder stricke. Das Stricken habe ich jetzt wieder angefangen, da die Nachfrage groß ist. Den Hauptteil und bald wieder alles erledigt mein Strickerinnen Team und das machen sie ganz phantastisch. Alle Strickerinnen stricken schon seit vielen Jahren für Beemohr.

    Ich glaube auch sie haben ein schönes Arbeitsumfeld:

      • Sie können von zu Hause verhältnismäßig selbstbestimmt arbeiten.

    Abends Ab 18 Uhr ist in der Regel Familienzeit, Zeit für meine Kids und meinen Schatz. 

    Abendessen bei Beemohr

     

    Noch später Ich schau mir gern mal eine Serie an oder interessante Beiträge auf Youtube. Meist arbeite ich noch nebenbei. Einfach weil ich Ziele habe und weil mir meine Arbeit sehr viel Spaß macht.

    Würde ich wieder ein eigenes Unternehmen gründen?

    Vor meiner Selbständigkeit habe ich viele verschiedene Angestelltenjobs gemacht. Viele waren langweilig, einige waren richtig gut, vor allen die in der IT - Branche. Dennoch würde ich heute viel früher den Absprung wagen, da ich viele Jahre nicht zufrieden war.

    Jetzt habe ich mir ein Arbeitsumfeld nach meinen Vorstellungen geschaffen -

    Vorteile:

    • von zu Hause aus arbeiten
    • zu jeder Zeit
    • mit Freunden oder Familie treffen, wann ich möchte
    • ich muss keinen Urlaub beantragen
    • keine stressigen und zeitraubenden Staus
    • ich spare Spritkosten
    • ich fühle mich verhältnismäig selbstbestimmt 
    • die Finanzen lassen sich besser planen und beeinflussen
    • mehr Arbeit wird in der Regel honoriert
    • PS: Ganz selbstbestimmt bin ich erst, wenn ich nur noch aus Spaß arbeite

    Nachteile:

    • der Krankenkassenbeitrag ist hoch, trotz Gesetzesänderung, ich liege über der Bemessungsgrenze
    • keine Kollegen, was auch ein Vorteil sein kann - ich vermisse es ab und an
    • Ein haarsträubender Regulierungswahn: DSGVO, Verpackungsgesetz ...
    • Plötzlich gibt es keine Kunden mehr oder staatlicherseits gibt es so viele Reglementierungen, dass es sich nicht mehr lohnt
    • PS: auch als Angestellter ist man sich seines Jobs nicht sicher

      Ich würde es immer wieder tuen. Am besten ist es, eine Idee neben dem Angestelltendasein zu testen. Die Idee muss gut sein und man muss dran glauben. Ich wusste von Anfang an, dass ich Erfolg haben werde.

      Und wann werde ich endlich Millionär?

      Und hier noch eine Anmerkung. Es gibt so viele Youtube Videos und Bücher zum Thema: "Wie werde ich Millionär?". Ich finde das teilweise interessant UND ich glaube dass es schon eine große Leistung ist, wenn man sein Unternehmen gründet und es schafft davon zu leben und für später vorzusorgen. Dabei möchte ich mich nicht selbst loben, das empfinde ich selbst als das erste erstrebenswerte Ziel in Kombination mit dem Aufbau des perfekten Arbeitsumfeldes und Privatleben.

      Ich bin gespannt wie ihr das seht oder ob ihr Erfahrungen und weitere Meinungen zu dieser Frage habt, schreibt gern in das Kommentarfeld.

      Grüße aus meinem Strickatelier schickt Euch Eure Sabine Mohr.


      2 Kommentare

      • Ein sehr schöner Bericht. Mir ging es genau so. Jetzt habe ich mich von allem getrennt und muß nur noch das machen was Spass macht. Aber es gehen auch einige Wochenende in der Selbstständigkeit unter. Weiterhin viel Erfog und genügend Pausen. LG Waltraud

        Waltraud Hofrichter
      • Vielen Dank für den Artikel … ich hätte eine Idee, aber bisher hat mir der Mut gefehlt anzufangen, aber ich werde die Idee nicht loslassen, lg Julia

        Julia

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