Ich bin ein Morgenmuffel, seit ich denken kann ist das so. Darum habe ich mir auch meinen jetzigen Job ausgesucht; ich bin Entwicklerin. Ja und wer uns kennt weiß, dass wir erst anfangen, wenn’s schon fast wieder dunkel ist. Na gut zugegeben, das ist etwas übertrieben, aber vor 10 Uhr taucht kaum einer meiner Kollegen oder Kolleginnen auf. Nicht das ich jemals selbst vor 10 Uhr dagewesen wäre. Dafür wird noch abends um 19 Uhr heiß diskutiert und es sind immer einige Biere im Kühlschrank. Und das weiß mein Mann auch. Nein nicht das mit den Bieren, dass ich morgens einfach meine Zeit brauche, um in die Gänge zu kommen.
Nun ist heute ein Tag, wo ich ohne Wecker klingeln wach werde, das heißt es ist Wochenende. Langsam mache ich die Augen auf, um zu sehen, ob mein Liebster schon wach ist. Nanu er ist gar nicht mehr da! Das erinnert mich an unseren ersten Urlaub in Florida. Wir landeten in New Orleans und machten eine Tour runter nach Miami über Key West und wieder zurück nach Orlando. Genau zu der Zeit, wo auch Katharina Florida besuchte. Sie erwischte uns genau auf Key West, dieses idyllische Örtchen, wo schon Ernest Hemingway verweilte. Wir hatten ein wunderschönes Zimmer in eines der typisch amerikanischen weißen Holzhäuser. Und dann abends überraschten uns der Sturm und der Regen, der Strom viel aus, Kerzen hatten wir nicht. Rausgehen war nicht wirklich empfehlenswert, das Wasser stand mindestens ein Meter hoch. Wahrscheinlich hatte auch kein Supermarkt mehr offen. So legten wir uns ins Bett und redeten über Gott und die Welt. Irgendwann sagte er; Vicci, Du lässt mir alle Freiheiten, um mich zu entfalten, Du akzeptierst mich, so wie ich bin, mit Dir kann ich Spaß haben in der Kneipe und auf dem Tennisplatz, Du siehst im Menschen das Gute, Du lachst über Dich selbst, Du warst bei mir, als ich Dich dringend brauchte. Ich freue mich jeden Abend zu Dir nach Hause zu kommen. Es ist zwar nicht geplant und vielleicht bist Du überrascht, was ich Dich jetzt fragen werden: „Willst Du mich heiraten?“. Mir liefen die Tränen, ich war so gerührt und konnte nur noch ein „Ja“ schluchzen. Schon vier Monate später haben wir uns in Arlberg, dort wo wir uns kennengelernt haben das JA-Wort gegeben. Und nun liege ich im Bett und mein Ehemann ist nicht da. Mein Blick gleitet zum Wecker. Auf meinem Nachtschrank steht ein Kärtchen mit der Nachricht: „Turn the pillow“. Wir schreiben uns gern englische Nachrichten. Im Englischen braucht man einfach weniger Wörter, außer offensichtlich in diesem Fall, und meist klingt es poetischer. Neugierig drehe ich mein Kissen um. Ich bin total überrascht. Dort ist ein rosafarbener Schriftzug mit kleinen Herzen eingestickt: „Ein Jahr und noch viele mehr, mit dir Viktoria. Ich liebe Dich.“ Es kribbelt wie am ersten Tag. Ich bin so glücklich meinen Ehemann gefunden zu haben. Kaffeeduft steigt in meine Nase. I love my husband.
Eure Viktoria, 15.09.09